Arbeite! Schaffe Salz und Brot! – Lieder und Gedichte

Die Naturfreunde Hanau-Rodenbach hatten zu einem Themenabend „Arbeiterlieder“ in ihr Heim in Oberrodenbach eingeladen.

Im blauen Kittel mit Bart und Guitarre trug Klaus Schmidt aus Steinheim beeindruckend Lieder und Text vor. Sie erinnerten an die Zeit von 1830, die Zeit der Industrialisierung in Europa. Technische Erfindungen wie die Eisenbach und Elektrotechnik und die riesigen Investitionen (auf Pump, samt Wirtschaftskrise) und ungehemmte Ausnutzung der arbeitenden Bevölkerung führten zur soziale Verelendung. Die Folge war der z.B. Weberaufstand in Schlesien.

Aus dieser Zeit stammt das Hungerlied von Georg Weerth (18221856), das im Jahr 1844 während der Weberaufstände entstand.

Verehrter Herr und König,
Kennst du die schlimme Geschicht?
Am Montag aßen wir wenig,
Und am Dienstag aßen wir nicht.

Und am Mittwoch mussten wir darben
Und am Donnerstag litten wir Not;
Und ach, am Freitag starben
Wir fast den Hungertod!

Drum lass am Samstag backen
Das Brot fein säuberlich –
Sonst werden wir sonntags packen
Und fressen, o König, dich!

Hier ist dieses Lied zu hören, von einer CD „So klingt Owenglie“ vom Duo EigenArt aus Nidderau. Siehe dazu den Bericht im Neuen Landboten über Dr. Friedrich Ludwig Weidig, Butzbacher Pfarrer und Freiheitskämpfer:

Weiteres zu Dr. Weidig, der mit Büchner den Hessischen Landboten herausgab.

Mit Leidenschaft trug Klaus Schmidt das Gedicht „Arbeite“ von Georg Weerth vor:

Arbeite

Du Mann im schlechten blauen Kittel,
Arbeite! Schaffe Salz und Brot!
Arbeite! Arbeit ist ein Mittel,
Probat für Pestilenz und Not.

Arbeite! Rühre deine Arme!
Arbeite sechzehn Stunden so!
Arbeite! Nachts ja lacht das warme,
Das Lager dir von faulem Stroh.

Arbeite! Hast ja straffe Sehnen.
Arbeite! Denk, mit schwangerem Leib
Harrt in der Hütte dein mit Tränen
Ein schönes leichenbleiches Weib.

Arbeite! Gleich der Stirn der Rinder
Ist ja die deine breit und dick.
Arbeite! Deine nackten Kinder,
Die küssen dich, kehrst du zurück.

Arbeite bis die Adern klopfen!
Arbeite bis die Rippe kracht!
Arbeite bis die Schläfen tropfen –
Du bist zur Arbeit ja gemacht!

Arbeite bis die Sinne schwinden!
Arbeite bis die Kraft versiegt!
Arbeite! – Wirst ja Ruhe finden,
Wenn dein Gebein im Grabe liegt.

Die Zuhörer waren richtig ergriffen. Jeder dachte wohl an die sich damals bildende Zusammenschluss der Sozialdemokraten und der Arbeitnehmer, die Gewerkschaftsbewegung. 1875 forderte das Gothaer Programm u.a. „Einen den Gesellschaftsbedürfnissen entsprechenden Normalarbeitstag. Verbot der Sonntagsarbeit.“ Damals noch visionäre Forderungen, die viele Jahre später Wirklichkeit wurden und an denen heutzutage wieder genagt wird.

Es wurde alte und neue Liederbücher der Naturfreunde aus den letzten hundert Jahren (die Ortsgruppe gibt seit 1912) herumgereicht, darunter auch von 2013 ein dickeres Buch von Karl Adamek, eine Sonderausgabe der IG Metall, mit Erläuterungen und Comics:

 

 

 

 

 

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